Fortsetzung 2

30.10.07

Die vergangenen Wochen sind wie so oft eine Zeit lang ziemlich ereignislos verlaufen, außer dass ich immer wieder eine Reihe von Jungtieren im Becken rumlaufen sehen habe. Auch bei ihnen sind jetzt schon wieder recht große Wachstumsunterschiede festzustellen. Für die erste Brut kann ich sagen, dass die Weibchen sämtlichst schneller gewachsen sind als die Männchen. Das größte junge Weibchen hat mittlerweile die Größe der Muter erreicht, so dass es schon schwer fällt, beide voneinander zu unterscheiden. Sollte sich diese Beobachtung bei weiteren Bruten bestätigen, kann man daraus wohl eine für diese Art allgemeingültige Regel ableiten, in der Art, dass die Weibchen vor wachsen, bis sie von den Männchen überholt werden.

Außerdem wage ich an dieser Stelle schon einmal zu behaupten, dass die Aufzucht der Jungen im Beisein der Eltern möglich zu sein scheint. Diese Frage zu klären war ja eines meiner Beobachtungsziele. Wenn die Jungtiere der 3. Brut eine entsprechende Größe erreicht haben, werde ich sie von den Eltern trennen und eine Zählung durchführen, so dass dann diese Frage eindeutig zu beantworten ist.

Etwas Leben kam dann in den tristen Cherax-Alltag, als sich vor kurzem das alte Männchen zum 2. Mal nach dem Erwerb gehäutet hat. Ich dachte eigentlich, dass es mit dem Wachstum nun so langsam zu Ende gehen müsste, aber denkste, er hat sich noch einmal ein Stück gestreckt und seine Scheren haben eine Größe erreicht, die mich nun endgültig davon abhalten, leichtfertig mit der hand im Becken rumzufummeln. Dadurch habe ich nun auch verstanden, warum diese Art manchmal unter der Bezeichnung "Hummer" im Handel ist.

Hier einige Fotos kurz nach der Häutung:

Cherax sp. Blue Moon

Das Männchen kurz nach der Häutung vor seiner Höhle. Hinter ihm in der Höhle liegt die Exuvie.

Cherax sp. Blue Moon

Auf diesem Foto kann man einen Eindruck von den Scheren gewinnen.

Cherax sp. Blue Moon

Die Exuvie von unten.

Cherax sp. Blue Moon

Die Exuvie von oben.

Außerdem haben wir bei dieser Gelegenheit mal wieder Foto von den Weibchen gemacht. Ob es sich bei dem großen um das alte Weibchen oder das größte Weibchen aus der ersten Brut handelt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Cherax sp. Blue Moon

Weibchen in der Höhle beim Fressen eines Laubblatts.

Cherax sp. Blue Moon

Das zweite zurück behaltene Weibchen aus der ersten Brut beim Klettern.

Der eigentliche Schock ereilte uns aber vor wenigen Tagen. Als wir nichts ahnend in den Keller gingen, schauten wir in das 160er Becken mit den verkaufsbereiten Tieren der ersten Brut und mussten feststellen, dass fast alle Jungtiere entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit wild im Beceken rumrannten. Das einzige Männchen, das sich zur Zeit noch in dem Becken befindet, lief ständig hinter einem etwas größeren Weibchen her. Schnell war die Kamera zur und einige Fotos gemacht, ohne dass wir so schnell die Scheibe säubern konnten, und wenige Augenblicke später erwischten wir das Männchen, wie es das junge Weibchen auf den Rücken drehte und eine Paarung begann.

Cherax sp. Blue Moon

Das kleinere Männchen (oben) verfolgt das Weibchen.

Cherax sp. Blue Moon

Der Paarungsakt.

Wir hielten es zuerst natürlich für eine Art Übungspaarung, aber einen Tag später sah ich ein junges Weibchen frei im Becken rumsitzen, nicht so verborgen und verbarrikadiert wie die Mutter, und fröhlich die Schwimmbeine mit Eiern wedeln. Und auch ein weiteres Weibchen sitzt ständig mit eingeklapptem Pleon in der Gegend rum und es sieht so aus, als würde auch sie Eier tragen. So wird das junge Männchen bald Vaterfreuden entgegen sehen, allerdings nicht erleben, denn in 2 Tagen wird dieser zusammen mit einem Weibchen die Reise nach Flensburg zu einem Liebhaber antreten. Die Eier tragenden Weibchen werde ich natürlich behalten und ein anderes wird ihn begleiten, denn aufgrund eines starken Weibchenüberhangs kann ich hierbei aus dem Vollen schöpfen. Ich hoffe nur, dass bei den im Wachstum zurück gebliebenen Tieren, die sich noch in einem kleineren Becken befinden, genügend Männchen sein werden, um die Tiere weiterhin paarweise abgeben zu können.

Dieses Erlebnis hat uns nun wieder eine neue Erkenntnis gebracht: dass diese Art etwa 10 Monate nach dem Enlassen von der Mutter die Geschlechtsreife erreichen kann.

Am 3.10.07 in Duisburg hatte ich übrigens Gelegenheit zu einen Gespräch mit Chris Lukhaup, in dem ich erfuhr, dass die wissenschaftliche Beschreibung dieser Art nun abgeschlossen ist und demnächst veröffentlicht werden soll. Dann wird diese Krebsart auch einen vollwertigen wissenschaftlichen Namen tragen, den ich dann auch nach der Veröffentlichung der Beschreibung hier verwenden werde. Ob nun Cherax sp. "Blue Moon" und Cherax sp. "Irian Jaya/Hoa Creek" Standortvarianten der selben Art sind, und evtl. auch noch die als Cherax sp. "Green Gras" und Cherax sp. "Tricolor" gehandelten Tiere zur selben Art gehören oder eigenständige Arten darstellen, bleibt abzuwarten..

Schluss (05.01.2008)

Ja, lieber Leser, sie lesen richtig. dies ist das letzte Mal, dass ich in Sachen "Blue Moon" zur Feder, oder besser zur Tastatur, greifen werde, denn nach nun gut 15 Monaten habe ich alle Beobachtungen abgeschlossen, die ich mir hierfür vorgenommen hatte. Bevor ich aber das letzte Wort tippe, will ich Ihnen noch einen Einblick in die Ereignisse der letzten Wochen geben.

Nach den oben beschriebenen Paarungen bei den Tieren aus der ersten Brut konnte ich, wie schon erwähnt, im 160er Becken zwei Weibchen mit Eiern beobachten, Bianca meinte, sogar 3 gesehen zu haben. Einige Wochen später konnte man bei diesen Weibchen, die übrigens während der Tragzeit nicht so versteckt lebten wie ihre Mutter, Jungtiere an den Schwimmbeinen hängen sehen. Mittlerweile sind die Weibchen wieder eierfrei, aber mir ist es bisher nur gelungen, ein einziges Jungtier zu Gesicht zu bekommen, aber das kennen wir ja aus diesem Becken mit dem gröberen Kies bereits. Sollten wirklich 3 junge Weibchen erfolgreich getragen haben, dann müssten in dem Becken ca. 60 Jungtiere rumwuseln - na Prost Mahlzeit! Die Frage wird aber wohl noch einige Wochen unbeantwortet bleiben.

Das alte Weibchen und das große Weibchen aus der ersten Brut, dass ja seit einigen Monaten im Becken der Eltern lebt, hatten in den letzten Wochen auch wieder getragen, aber nachdem beide wieder eierfrei sind, konnte ich keine Jungtiere entdecken. Möglicherweise ist bei diesen Bruten etwas schief gegangen. Man darf dabei ja auch nicht vergessen, dass bis dahin noch alle Jungtiere aus der dritten Brut in diesem Becken waren und es somit recht voll war.

Weil ich grade bei dem Thema "dritte Brut" bin: vor einigen Tagen habe ich mich dabei gemacht, diese aus dem Elternbecken heraus zu fangen, denn ich möchte sie gern separat groß ziehen und das Elternbecken entlasten. Na da hatte ich mir eine Aufgabe gestellt!

Zuerst versuchte ich es, ohne Einrichtungsgegenstände aus dem Becken zu nehmen, aber so klein wie die Krebschen sind, so clever sind sie auch. Sie nutzen jede noch so kleine Lücke um irgendwie am Käscher vorbei zu kommen. Mir gelang es zwar, einige Wenige zu erhaschen, aber der Großteil war mit seinen Flucht- und Versteckaktionen sehr erfolgreich. Also begann ich, mittlerweile unter Mithilfe von Sascha, die Blumentöpfe und Höhlendächer aus dem Becken zu nehmen, immer in der Angst, irgendwas den kleinen Krebschen auf den Kopf fallen zu lassen. Und dann war da noch eine zweite Angst: dass mir das Vatertier mit seinen mittlerweile Respekt einflößenden Scheren irgendwie zu nahe kommen können und meine Finger als Feind oder sonst was betrachten könne. Glücklicherweise zog er es aber vor, vor meinen Händen und meinem Käscher die Flucht zu ergreifen. So gelang es mir in etwa 1 Stunde 23 Jungtiere heraus zu fangen. Eigentlich stimmt das aber nicht ganz: gefangen hatte ich nur 21, denn nachdem ich die Höhlendächer, die ich auf einem Handtuch auf dem Fußboden geparkt hatte, wieder ins Becken gelegt hatte, lagen zwei junge Krebse im Handtuch.

Für die Kleinen hatte ich mir vorher zwei meiner bekannten Plastikschalen zurecht getellt, und als ob ich nicht schon genug Stress gehabt hätte, musste sich kurz nach Beginn dieser Aktion auch noch ein Jungtier in der Plastikschale häuten. Um ihn vor den anderen bereits gefangenen Jungtieren in Sicherheit zu bringen, kam er schnell in die zweite Schale.

Bei dieser Aktion ist es mir dann auch gelungen, das im Becken verbliebene Tier aus der 2. Brut, bei der ja nur 2 Tiere durchgekommen sind, zu erwischen und ihn ins 160er umzusiedeln. irgendwie hat ihm das aber keinen Spaß gemacht, denn als ich ihn auf meiner linken Handfläche sitzen hatte, musste er eine seiner Scheren an meinem Handballen ausprobieren, was mir ein lautes "Aua, lass los!" entlockte.

Außerdem fing ich noch eins der Männchen aus der 1. Brut, die als ich damals als Reservetiere mit ins Elternbecken gesetzt hatte, heraus und brachte es ins 160er, wo er sich um die vielen überzähligen Weibchen kümmern soll.

Die 23 Jungtiere der 3. Brut habe ich dann in 2 Gruppen aufgeteilt, und in ein 25-Liter-Becken und in ein ehemaliges Garnelenbecken gesetzt, wo sie nun separat aufwachsen können.

Hier noch einie Fotos von der ganzen Aktion:

Cherax sp. Blue Moon

Zu Beginn der Aktion war ich noch völlig entspannt.

Cherax sp. Blue Moon

Auf der Jagd.

Cherax sp. Blue Moon

Das erste Jungtier sitzt in der Schale.

Cherax sp. Blue Moon

Und nun auch Nr. 2.

Cherax sp. Blue Moon

Als gäbe es keinen besseren Zeitpunkt für eine Häutung.

Cherax sp. Blue Moon

Eins der beiden als Reservetiere aufgehobenen Männchen der ersten Brut ist auch ins 160er umgezogen, weil es im Elternbecken etwas eng wurde.

Tja, das war's eigentlich.

Zusammenfassend kann man also folgendes sagen:

- Cherax sp. "Blue Moon" ist ein sehr friedlicher und geselliger Krebs, der gut als Paar in einem Becken mit einer Grundfläche ab 80 x 40 cm gehalten werden kann. Auch die Pflege einer Gruppe in einem entsprechend großen Becken stellt sich als unproblematisch dar.

- Die Art ist vorwiegend nachtaktiv, man bekommt sie aber auch hin und wieder am Tage zu Gesicht. Viele Versteckplätze sind daher notwendig.

- Die Tiere sind gut mit aller Art im Handel angebotenem Futter sowie mit Laub und Fischfleisch zu ernähren.

- Die Tiere werden nach ungefähr 10 Monaten nach dem Entlassen von der Mutter geschlechtsreif.

- Die Weibchen tragen ca. 25 Eier.

- Die Tragzeit beträgt 9 Wochen und die Jungtiere werden noch ca. 3 Wochen von der Mutter betreut, bevor sie sich von der Mutter trennen und in den ersten Wochen sehr versteckt lebend aufwachsen.

- Die Verlustrate bei den Jungtieren durch Häutungsprobleme ist bei entsprechender Haltung sehr gering.

- Die Vergesellschaftung mit Fischen ist grundsätzlich möglich, allerdings sollten es keine fleischfressenden Fische sein, denn diese könnten frisch gehäuteten Krebsen gefährlich werden. Außerdem sollten es keine Fische sein, die nachts am Boden schlafen, denn diese werden von den Krebsen oft gefangen und verspeist.

Wenn Sie die von mir in diesem Bericht dargestellten Grundregeln beherzigen, dann werden Sie sehr viel Spaß mit dieser Krebsart haben.

Demnächst wird dann auch die Erstbeschreibung von Chris Lukhaup und seinem Team erscheinen und der "Blue Moon" wird seinen regulären wissenschaftlichen Namen erhalten, den ich hier aber noch nicht nennen darf. Schauen Sie einfach immer mal wieder in die Artbeschreibung, dort werde ich dann zu gegebener Zeit den neuen Namen verwenden.

So ....

... ich hoffe, dass ich allen interessierten Lesern meines doch recht lang gewordenen Berichts eine kleine Hilfe geben konnte, sich einmal für die Pflege dieser Art zu entscheiden und diese Art gut verstehen und pflegen zu können. Wenn das der Fall ist, dann haben sich die vielen Stunden vor dem Aquarium und vor dem Computer gelohnt und ich möchte mich an dieser Stelle für Ihre Geduld und Treue als Leser bedanken.

Ob der 2. Teil dieses Berichts auch im Aquanet und in der Zeitschrift "Aquaristik" veröffentlicht wird, werde ich noch mit Lutz Döring und Friedrich Bitter besprechen müssen.

Ich wünsche Ihnen allen weiterhin viel Spaß und Erfolg mit dem Hobby und hoffe, dass wir uns auf anderen Seiten und bei meinen anderen Berichten, in den Internetforen oder auf der Duisburger Messe wiedersehen.

Machen Sie es an dieser Stelle gut !!!

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